Vom langsamen Verschwinden

Emma Cline:"In die Schweiz" (Verlag Hanser) | 5.10.2026

David Hastings hat eine langes und erfolgreiches Arbeitsleben hinter sich. Eigentlich noch nicht bereit für irgendeine Art von Ruhestand, zwingt ihn eine Demenz-Diagnose, sich zu verabschieden, bevor sein Verstand das tun wird. In die Schweiz soll es gehen, zum assistierten Suizid. Bei einem Zwischenstopp in London, will er seine Tochter (wie heißt bloß nochmal sein Enkel?) ein letztes Mal sehen. Irritiert fragt sich David, seit wann seine Tochter mit einer Frau verheiratet ist (schon sehr lange) und erinnert sich an sein eigenes homoerotisches Begehren und einer Erklärung, die er seinem besten Freund schuldig geblieben ist. Eine Schuld, die unbedingt beglichen werden muss, bevor es zu spät ist... Während sein Verstand und die Gegenwart zunehmend nebulös und immer lückenhafter werden, selbst Spickzettel und kleine Storyboards keinen Sinn mehr ergeben, reisen wir mit David zurück in die Vergangenheit, verstehen, was einen Menschen ausmacht. Im Flugzeug, Zug oder im Taxi sitzen wir in seinem Kopf und erfahren fast körperlich, wie es ist, wenn sich alles um einen herum auflöst, die Sprache ihre Bedeutung verliert und die Frage, was bleibt, nach dem eigenen Verschwinden, nicht mehr zu beantworten ist.
Das ist ein Wahnsinn, dieses Buch!
Nie war so über Demenz zu lesen, erschreckend und tröstlich zugleich.
Emma Cline ist eine Göttin und kann einfach alles!
Brillant übersetzt von Nikolaus Stingl
Lesen!
Unbedingt lesen!