Valeria Gordeev:" Die Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle" Verlag . Fischer) | 18.10.2026

Zwischen Berlin, Moskau und Kiew versuchen zwei Geschwister Forschungsergebnisse zur Unsterblichkeit, bzw. absoluten Lebenverlängerung für einen Pharmakonzern zu stehlen. Während Lada Botendienste in Berlin für den Patenonkel Boris verrichtet, geht ihr Bruder Konstantin über Leichen (die allerdings schon ziemlich lange und ziemlich tot im Mausoleum zu Forschungszwecken herumliegen) und verliert sich im Gerümpel der labyrinthischen Gänge, unter Lenins letzter Ruhestätte. Beide arbeiten in geheimer Mission für den Patenonkel, der nichts gutes im Schilde führt und direkt aus Bulgakows "Meister und Margarita" entsprungen sein könnte. Wie auch dämonische Katzen, Pferdefüßige und Widergänger. Und wenn Konstantin unter dem Kremel rastlos nach des "Pudels Kern" sucht, auf mysteriöse Gestalten trifft, die auf- und wieder abtauchen, fühlt man sich gar an "Twin Peaks" erinnert und ist froh im sicheren Lesesessel zu sitzen. Vom Untergang der Sowetunion bis zum russischen Angriff auf die Ukraine (man erfährt auch gleich, wie es ausgeht), wird hier alles verhandelt, was den Osten bis heute prägt und gleichzeitig traumatisiert.
Und auch der einfache Alltag wird mehr und mehr zur Groteske. Man sieht Kalkflecken und Putzteufel mit ganz anderen Augen, fragt sich, ob Haussanierungen nicht eigentlich ein Werk des Teufels sind und der Vatikan vielleicht hinter allem Ungemach steckt...
Das ist ein wilder Ritt und nicht unanstrengend zu lesen. Frau Gordeev mutet uns allerhand zu. Aber wer Lust auf Rausch, Sprachakrobatik und jede Menge literarische Referenzen hat, ist hier genau richtig!
Lesen!
Unbedingt lesen!