Mazel tov?!

Dana Vowinckel "Gewässer im Ziplock" (Verlag Suhrkamp Nova) | 23.7.2023
Berlin, Chicago, Jerusalem. Die fünfzehnjährige Margarita ist, wie immer in den großen Ferien, zu Besuch bei den amerikanischen Großeltern. Die Mutter, gerade mal wieder in Jerusalem, glänzt seit über 10 Jahren durch Abwesenheit, will ihre Tochter aber endlich richtig kennenlernen. Der Vater, in Israel aufgewachsen, versucht seit Jahren in Berlin seine Rolle als Kantor und jüdischer Vorbeter zu etablieren und seit kurzem verzweifelt ,die weltlichen Verführungen von seiner pubertierenden Tochter fern zu halten. Man setzt das "Kind", dass schon länger und unbemerkt dem Kindsein entwachsen ist alleine ins Flugzeug und überlässt Margarita ihrer chaotischen Mutter. Dann wird es heikel und ziemlich aufregend, da nichts ist, wie es sein soll und Margarita in Jerusalem plötzlich ganz eigene Wege geht. Und während das Mädchen in Israels Geschichte eintaucht, sich zwischen jüdischer Tradition und lässigem, weltoffenem Strandleben in Tel Aviv bewegt, stellt Margarita, ihr Leben in Berlin, ihren Vater und selbst die geliebten Großeltern auf den Prüfstand. Ein Geheimnis über die jüdische Herkunft ihrer Familie, wird gelüftet und lässt Margaritas Glauben an die Wahrhaftigkeit ihrer Lebensgeschichte in den Grundfesten erschüttern. Die Frage, wo sie eigentlich hingehört, wo sie wirklich sein will, klärt sich erst, als ein Unglück geschieht und die ganze Familie zusammenkommen muss...
Herrlich und absurd, dieses Theater um Glauben, Tradition, Herkunft, Sehnsucht und Pflichtbewusstsein. Das Leben ist kein Wunschkonzert aber jeder hat irgendwann das Recht auf ein selbstbestimmtes Dasein und (mindestens) einen Wunsch frei!
Lesen!
Unbedingt lesen!