
Sie sind jung, klug und gut aussehend. Sie bewerben sich in Harvard - werden angenommen oder auch nicht. Fliegen nach einiger Zeit und trotz Stipendium in hohem Bogen wieder raus und landen
an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi.
Dort lernen sich Alfredo Canella, Sohn eines reichen venezianischen Unternehmers und Donka Berati, ein mittelloser Albaner, kennen. Beide sind brillant. Der eine besticht durch einen hohen Intelligenzquotienten, der andere durch Charme, Eloquenz und einen uneingeschränkten Glauben an sich selbst. Im Schatten des ewig protegierenden Vaters will Alfredo sich aus jeder Abhängigkeit befreien und dem Familienoberhaupt endlich zeigen, was ein echter linker Haken ist!
Die große italienischen Immobilienblase, der unrechte "Ausverkauf" Albaniens in den neunziger Jahren und ein amerikanischer Investor lassen die beiden Freunde zu betrügerischen Höchstleistungen auflaufen. Big Business ist angesagt! Alles ist erlaubt, nur keine Skrupel. Moral? Fehlanzeige! Gewissen? Nicht vorhanden! Und so sympathisch die Helden daherkommen, so kaltblütig verraten sie die, die Ihnen am meisten vertrauen.
Im Wettstreit um Macht, Liebe und Ansehen werden von Kapitel zu Kapitel die unternehmerischen Messer gewetzt - man ahnt, das kann nicht gut ausgehen... Atemlos hechelt man durch die Seiten! Will die beiden Gauner rütteln und schütteln, ihnen Ohrfeigen verpassen und die Leviten lesen - wenn man nur könnte!
Was es mit der "Verschwörung der Tauben" auf sich hat, kann man auf Seite 137 dezidiert nachlesen - ein in der Spieltheorie wohlbekanntes Resultat!
Das ist definitiv mal wieder ein Lieblingsbuch!
Lesen!
Unbedingt!
Ein abgehalfteter Comedian, in der israelischen Provinz auf einer viel zu kleinen Bühne in einem abgewrackten Musentempel. Dovele Grinstein, einst Soldat und Sohn und ewiger Alleinunterhalter einer Shoa-traumatisierten Mutter und eines lebensuntüchtigen Vaters. Schon als Kind zum Außenseiter gestempelt und früh verwaist, lernt Dovele Leben auszuhalten indem er andere zum Lachen bringt.
Mal quält er sein Publikum mit zotigen Witzen und Anzüglichkeiten weit unter der Gürtellinie,
mal jagt er sich selbst ohrfeigend und boxend über die Bühne, dass die Schwarte kracht. Ein altes Mädchen aus vergangener Zeit und ein pensionierter Richter sind unter den Zuschauern. Beider Leben eng mit dem Schicksal Doveles verbunden und längst in Vergessenheit geraten.
Mit seinen komischen Alltagsgeschichten und den skurrilen Possen, die Dovele auf alles und jeden zu reißen weiß, lässt er den Leser, der sich selbst als Teil des Publikums fühlt, direkt in die Hölle all derer blicken, die auf der Schattenseite des Lebens zu Hause sind. Der Abend entgleitet scheinbar, das Publikum zieht fluchend ab. Einzig der Richter ist geläutert und das alte Mädchen wusste schon immer, dass sich hinter der Maske der Unverschämtheit eine zutiefst humanistische, verlorene Seele befindet.
Was für ein Buch!
Was für eine außergewöhnliche Art uns eine Geschichte zu erzählen!
Lesen!
Unbedingt!
Ein Autor schreibt ein Buch über ein Buch, das einen Autor beschreibt, der ein Buch schreibt...
Dreizehneinhalb ist das magische Alter eines Teenagers, der 1969 die Rampe zum Erwachsenenleben betritt. Bevor der Abschuss stattfinden kann, wird eine Zeit unter die jugendliche Lupe genommen, die einen Paradigmenwechsel in vieler Hinsicht bedeutet. Familie, Religion, Politik und Musik werden gleichermaßen ikonisiert und demontiert, in Frage gestellt, ad absurdum geführt. Großartige Dialoge, absurde Lebensbetrachtungen, Beatles versus Stones, Bonanza gegen "Bezaubernde Jeannie"und manisch-depressive, seitenlange Gedankenergüsse die vom Höckchen aufs Stöckchen kommen, lassen das Buch zu einer echten Herausforderung werden - immerhin 800 Seiten lang!
Ein großes Panorama deutsch-deutscher Geschichte! Irre und manchmal etwas verstörend. Anstrengend und eher als Fragmente zu lesen. Aber einmal eingetaucht ist man dermaßen gefangen in diesem Witzel-Kosmos, dass man nur schwer wieder rauskommt. Ein wahnsinns Buch, mit vielen verschiedenen Ebenen, das man getrost mehrmals und immer wieder lesen kann.
auf alle Fälle aber:
Lesen!
Unbedingt lesen!
Drei junge Ethnologen begeben sich auf ein fragwürdiges Abenteuer
Igor Shteyngart wächst asmathisch, kränklich, aber hoch ambitioniert in Leningrad auf. Schon früh entdeckt der unsportliche Junge, liebevoll von seiner Mutter "kleiner Versager" und vom Vater "Rotznase"
Was Yasmina Reza mit "Glücklich die Glücklichen" auf Französisch kann, kann Jackie Thomae auf Deutsch! Und zwar richtig gut!
Hier sind die Glücklichen nie so richtig glücklich obwohl es allen ziemlich gut geht. Am Anfang ist alles wahnsinnig ansrengend, weil man verliebt und nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Man kann nicht essen, nicht schlafen, redet dummes Zeug - zeigt sich gerne, wie man gar nicht ist. In der Mitte ist es anstrengend, weil man zu viel isst oder schläft - und die Seite, die man selber an sich kennt,
nicht die allerbeste ist. Am Ende ist es wieder anstregend, weil man irgendwie aus dieser Nummer rauskommen muss.
Die Momente der Klarheit sind nicht immer angenehm aber so sicher, wie das Amen in der Kirche. Und am Ende ist die Beziehung das was sie ist: vorbei!
Die Protagonisten leben in großen Städten, sind rastlos und immer auf der Suche nach dem Glück. Sie verlieben sich und entlieben sich, springen aus Fenstern oder verschwinden einfach von der Bildfläche. Und manchmal reicht ein kühles Bier um glücklich zu sein - herrlich!
Und da fliegen einem Sätze um die Ohren, in die allein man sich schon wieder verlieben kann! Nahezu lakonisch lesen wir uns durch die Schicksale der Glücksritter und trösten uns damit, dass das Gras auf der anderen Seite doch nicht grüner ist...
Eine unromantische Liebesgeschichte, eine tragische Komödie - lustig und traurig zugleich.
Perfekt!
Lesen!
Eigentlich schläft sie in Seidenbettwäsche im Dachgeschoss einer Luxuswohnung. Eigentlich ist sie Designerin. Eigentlich gehörte das Haus im Wald ihrer Tante und war höchstens Kulisse um für zwei Tage "einfaches Leben" zu spielen. Eigentlich gehörte sie an die Seite von Oliver oder Bruno. Eigentlich ist das alles nur ein wahrgewordener Albtraum.
Lieben Sie Musik?
Nein?
Sollten Sie aber!
Hören Sie gelegentlich Ihre alten Scheiben und erinnern sich an bessere Zeiten?
Auch nicht?
Dann fangen Sie damit an!
Umgehend!
Und lesen Sie die herzzerreißende Geschichte von Robbie, dem irischen Gitarristen.
Von Fran, dem "transsexuellen Schlitzauge", dessen Stimme ganz Amerika in ihren Bann ziehen wird.
Von Trez, einer Überfliegerin, die den linken Haken genauso gut beherrscht wie ihr Cello.
Von Séan, der Waschmaschinen repariert und ganz nebenbei der bester Drummer aller Zeiten ist.
Eine Combo aus vier verrückten jungen Leuten, die an sich glauben und damit im kleinstädtischen Luton lange alleine bleiben. In schlechten Bars, mittelmäßigen Unis, verrotteten Parks und miesen Clubs tingeln die Vier um ihr Leben - mit viel Spaß, jeder Menge Alkohol und exquisiten Drogen. Als sie einen Top of The Pop Auftritt versemmeln, gehen die Freunde auseinander.
Man kehrt dem Vereinten Königreich den Rücken, jeder auf seine Art und Weise.
Man findet sich im New York der 80er Jahre erneut zusammen, versucht ein Comeback, wird entdeckt und feiert einen kometenhaften Aufstieg, der für einen von Ihnen zur finalen Falle wird...
Himmel, was für ein Buch! Nicht nur die vielen Bandnamen lassen einen auf die alte Vinylsammlung schielen oder in den ausrangierten CD-Kisten kramen. Auf jeder Seite ist so viel Musik, dass einem die Ohren ganz von alleine heiß werden. Alles kennt man, hat man vielleicht selber bis zum Erbrechen (der Eltern!) viel zu laut und in Dauerschleife gehört. Und die Protagonisten mit ihren filigranen Lebensmodellen möchte man aus jeder Buchseite klauben und ans Herz drücken. Man will rauchen und saufen (trinken reicht nicht!) und ist froh, dass alle anderen Dogen nicht auf dem freien Markt verfügbar sind. Und vor allem will man Musik hören, dass es kracht!
Leute, macht Eure Rechner aus, geht zur nächsten Buchhandlung und kauft Euch dieses Buch!
Jetzt!
Sofort!
Theroux lässt grüßen! Und trifft auf "Grün ist die Hoffnung" und "Wassermusik"!
In seinem neuen Roman legt T.C. Boyle den Finger auf die empfindliche Wunde der Amerikaner. Das Waffengesetz, den Polizeistaat, die Amokläufe und das Problem der Globalisierung.
Adam, der nichts auf die Reihe kriegt, zieht sich in die Tiefe der amerikanischen Wälder zurück, legt eine riesige Schlafmohnplantage an und bunkert Waffen und Munition - um gegen den Feind und die Aliens allzeit bereit zu sein. Der Mann, eine tickende Zeitbombe auf zwei Beinen, der die Identität des Trappers und Biberpelzjägers John Colter aus dem 19.Jahrhundert angenommen hat und weiterlebt, versteht sich als Ökokrieger.
Er trifft auf Sara, eine Frau, die im Einklang mit Fauna und Flora lebt, nur mit Vater Staat keine Verträge haben will.
Eine Liaison beginnt, die dem Leser anfänglich viel Sympathie abgewinnt, im Verlauf der Geschichte jedoch das pure Grauen hervorruft... Über das böse im Menschen, die Lust am Töten und eine Gesellschaft, die alles haben will ohne etwas dafür zu geben.
Ein düsteres Porträt unserer Zeit und so politisch und aktuell, wie der große Erzähler aus Kalifornien nur sein kann!
Lesen!